Unser Mitglied SRH Schulen Neckargemünd: Von der SRH Stephen-Hawking-Schule in die Selbstständigkeit

Januar 2026

Mit sechzehn Jahren kam der kurdisch stämmige Ibrahim Defiset an die SRH StephenHawking-Schule (SHS) in Neckargemünd – nur wenige Jahre nach seiner Einreise nach Deutschland. Seine Familie stammt aus der Türkei, wo er bis 2003 gemeinsam mit seinen Geschwistern lebte. In den 1990er-Jahren war sein Vater nach Deutschland gegangen, die Kinder blieben bis zum späteren Familiennachzug bei ihrer Großmutter auf dem Land zurück. „Wir lebten in einer so abgelegenen Gegend, dass es sich anfühlte, als wären wir tausend Jahre zurück durch die Zeit gereist“, berichtet Ibrahim im Interview mit den SRH Schulen. Dennoch blickt er gern auf diese Zeit zurück.

Foto: Foto 2: Stolz auf die Selbstständigkeit: das Ehepaar Ibrahim und Mabel Cristina Defiset.

Auch der Umzug nach Deutschland fühlte sich für ihn an wie eine Reise durch die Zeit – diesmal von der Vergangenheit in die Zukunft. Besonders die Straßenbahnen ließen ihn staunen: „Das war ein richtiger Kulturschock für mich!“ 2004 besuchte er zum ersten Mal eine deutsche Schule – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Doch Ibrahim ließ sich nicht entmutigen und brachte schon bald gute Noten mit nach Hause.

Schlagartig änderte sich jedoch alles durch einen schweren Unfall: Auf einem Familienspaziergang am Mainufer kletterte der damals Fünfzehnjährige auf einen Baumstamm, stürzte rückwärts in das flache, steinige Wasser und blieb bewegungsunfähig liegen. Seine Eltern zogen ihn ans Ufer, der Rettungsdienst brachte ihn per Hubschrauber ins Krankenhaus. Die Diagnose: Verletzung der fünften und sechsten Halswirbelsäule – mit der Prognose, nie wieder gehen zu können.

„Alle Träume, die ich als Junge gehabt hatte, lösten sich plötzlich wie in Luft auf“, erzählt Ibrahim. Dinge, die ihm wichtig gewesen waren – die Schule zu beenden, eine Ausbildung zu machen, eine Partnerin zu finden – schienen unerreichbar. Die Situation belastete ihn schwer.

Einen Wendepunkt brachte der vom Krankenhaus organisierte Besuch in der SRH StephenHawking-Schule in Neckargemünd. Zum ersten Mal schöpfte Ibrahim Hoffnung, dass auch nach seinem Unfall ein erfülltes Leben möglich sein könnte und seine Ziele weiterhin erreichbar waren. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wechselte er im September 2008 ins Internat der SHS. Die Zeit dort war geprägt von Höhen und Tiefen; immer wieder kämpfte er mit Depressionen. Kraft gaben ihm sein Glaube und die Lebensfreude seiner Mitschüler:innen. „Jeden Tag sah ich so viele Leute, die mit noch viel stärkeren Einschränkungen zurechtkamen und trotzdem Spaß am Leben hatten“, sagt er rückblickend.

Insgesamt erinnert sich Ibrahim gern an seine Jahre in Neckargemünd. „Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt“, erzählt er. Er habe ein gutes Verhältnis zu Mitschüler:innen und Pflegekräften gehabt – und blickt auch auf die ruhige Umgebung und die Natur nostalgisch zurück. „Hier war es mehr als herrlich, wie in einem Fünf-Sterne-Hotel!“

Nach seinem Abschluss begann er eine Ausbildung zur Bürokraft im Kurt-Lindemann-Haus in Schlierbach und blieb der SHS weiterhin verbunden. Ein Praktikum beim Jobcenter führte ihn später nach Frankfurt, wo er nach einem Jobangebot dauerhaft blieb und seinen Abschluss als Bürokaufmann machte. Zunächst wohnte er bei seiner Mutter, erfüllte sich jedoch bald den Wunsch nach einer eigenen Wohnung. Unterstützt vom Arbeitsamt konnte er sich zudem ein für seine Bedürfnisse umgebautes Auto anschaffen – den Führerschein hatte er bereits während seiner Ausbildung erworben. Um das Fahrzeug abzubezahlen, arbeitete er nebenberuflich bei einer Live-Stream-Plattform, wo er schließlich auch seine zukünftige Frau kennenlernte – ein weiterer Lebenstraum, der für ihn in Erfüllung ging.

Erst kürzlich erfüllte sich das Ehepaar einen weiteren Traum: Gemeinsam wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründeten einen eigenen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung. Seine eigenen Erfahrungen machen Ibrahims Angebot besonders: Er kennt die Abläufe, die Bürokratie – und vor allem die Bedürfnisse seiner Kund:innen. Unter dem Namen „Samariter“ sind sie im Raum Frankfurt unterwegs. „Bei uns geht es darum, unseren Kunden in erster Linie mit Menschlichkeit zu begegnen“, betont er.

Den Schüler:innen der SHS gibt er eine Botschaft mit auf ihren Weg – verpackt in eine Metapher: „Stellt euch vor, ihr hättet in eurer Brust zwei Löwen. Der eine frisst nur Schlechtes –
Selbstzweifel, Negativität, Pessimismus –, der andere nur Mut, Glauben und Zielstrebigkeit. Welchen der beiden wollt ihr stärken? Welcher soll euer Leben bestimmen?“
Mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, so Ibrahim, könnten viele Barrieren überwunden werden. „Ihr seid stärker, als ihr denkt! Nehmt alles mit, was ihr könnt – genießt eure Zeit an der Stephen-Hawking-Schule!“

 

Foto: Zurück an der SHS: Ibrahim zu Besuch an seiner früheren Schule

 

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Charlotte Schmiegel
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


SRH Schulen GmbH
Im Spitzerfeld 25
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